Food&Life 2016 – nun aber .…

Da gibt es – natür­lich – ‘mal wieder auch was zum Thema Bier zu sagen.

Viele Brauer und Biere sind da. Besu­cher noch viel mehr. Noch bis Sonntag. Ich war am Mitt­woch gleich zu Anfang da.
Tradi­tio­nelle Braue­reien sind natür­lich in einer nicht gerade geringen Zahl vertreten.
Daneben haben sich aber auch die Craft Brauer ihren Platz erobert, wenn auch nicht wirk­lich viele da sind, wenn man vom Münchner Shop “Bier­vana” absieht, der ja so gut wie alle Craft Biere in den Regalen hat.

Ich habe drei Brauer aus der Craft Szene kennen­ge­lernt – Bryan France und Max Senner von “Yankee & Kraut” aus Ingol­stadt und Marc Gallo von “Hopf­meister” aus München.
Beide Braue­reien haben einen Stand auf der Messe, und bei Marc Gallo hatte ich eine Verkos­tung von Bieren von “Hopf­meister” gebucht.

Bryan France, der “Yankee” von “Yankee & Kraut”, ist Ameri­kaner. Nach den Gesetzen seines Landes darf er Bier erst ab 21 Jahren trinken. Er erzählte mir, dass er aber schon mit 17 selbst zu Hause braute. Sein Weg führte ihn dann nach  Deutsch­land, wo er nun in Weihen­ste­phan studiert.

Max Senner und Bryan France von “Yankee & Kraut”

Er ließ mich ein “HOADA” probieren. Das ist ein Colla­bo­ra­tion-Bier, das sie zusammen mit den Kollegen von “Isar­kindl” gemacht haben. Sie kennen sich vom Brau-Studium aus Weihen­ste­phan

Die Biere von “Yankee & Kraut” auf der food&life 2016

HOADA” ist ein “Winter Ale” – gebraut wie ein “India Pale Ale”, ober­gärig, aber nicht hell (“pale”). Sie haben zum Pilsner und Münchner Malz auch noch Cara Aroma und Carafa I dazu­getan, was eine dunkle Farbe und kräf­tige röstige Aromen mit sich bringt, die mit den fruch­tigen Noten der Hopfen Manda­rina Bavaria, Comet und Callista schön harmo­nieren. Wirk­lich ein Bier für die kühle und dunkle Jahres­zeit.

Hopf­meister Brau­ma­nu­faktur” ist ein krea­tiver Brauer, das bewies Marc Gallo mit seinen Bieren und dem Bier-Cock­tail, die er uns kredenzte.

Als Grafik Desi­gner wollte er ursprüng­lich nur schöne Etiketten für Braue­reien entwerfen.  Mit ersten Versu­chen mit eigenen Bieren zu Hause und Kontakten zu anderen Brauern war die Leiden­schaft für’s Bier da.  2014 folgte eine Bier-Somme­lier-Ausbil­dung und schließ­lich grün­dete er die Hopf­meister Brau­ma­nu­faktur.

Den Cock­tail mixte er – auf Vorschlag eines Münchner Barkee­pers – aus “Gipfel Glück”, einer “exoti­schen Weißen”, einem Sekt aus Pinot Blanc und “Picon”. (Picon ist ein aus Frank­reich stam­mender, kara­mellfar­biger Aperitif, ein Bitter­ge­tränk. Geschmacks­ge­bend sind haupt­säch­lich Orangen bzw. deren Schalen, aber auch Enzian und China­rinde.) Der über­raschte erst ‘mal. Wer schon einmal einen Bier-Cock­tail getrunken hat, weiß, dass das ein zwie­späl­tiges Erlebnis sein kann. Der hier hat mir geschmeckt – das Bier harmo­niert durch seinen frischen Grund­cha­rakter sehr mit den beiden aderen Zutaten. Ich merke mir die Rezeptur …

Als erstes Bier verkos­teten wir dann “Gipfel Glück” pur. Eine natür­trübe Weiße, gebraut aus Gersten- und Weizen­malz mit ober­gä­riger Weiß­bier­hefe. Die Kohlen­säure ist im Gegen­satz zu vielen Weiß­bieren sehr zurück­hal­tend, was dem Bier nicht schadet und dem genießer keinen Bläh­bauch beschert. Kalt­ge­hopft mit Amarillo, Cascade, Haller­tauer Magnum und Mosaic hat es einen feinen fruch­tigen Geschmack. Daher ist das ein ideales Sommer­bier für den, der sonst viel­leicht “Russ’n” vorzieht.

Dann kam “Franz Josef”. Das ist ein unfil­triertes Helles (leichte Trübung), wird mit den Hopfen Tett­nanger, Crystal, Centen­nial und Citra kalt­ge­hopft und erhält so frische, fruch­tigen Aromen z.B. nach Grape­fruit und Mara­cuja. Auf der Zunge kam es mir würzig vor, beim Schlu­cken hat es aber bestä­tigt, dass es ein Bier ist.

Das “Surfers Ale” ist ein süffiges, natur­trübes Pale Ale. Hopfen Haller­tauer Magnum, Cascade, Citra und Simcoe bringen würzige, aber vor allem auch fruch­tige Noten mit sich, was das “Surfers Ale” auch zu einem idealen Sommer­bier macht. Nicht allein dafür steht auch der Name, den der passio­nierte Surfer Marc Gallo dem Bier gegeben hat.

Hopf­meis­ters Biere – 4 von 5 von der Verkos­tung

Irish Road Trip” – noch ein India Pale Ale. Hopf­meister hat eine Schwäche dafür … Aber zu Recht. Ich mag’s ja auch sehr. Irish Road Trip ist das erste einer Serie limi­tierter Biere, die durch Reisen der Brauer inspi­riert werden.

Irish Road Trip” erin­nert mit Aromen von Citrus, Melone, Traube und noch ein wenig mehr an einen sonnigen Sommertag. Marc Gallo liebt den Sommer. Wer nicht? Und wer mag dann nicht auch ein Bier, dass zum Sonnen­schein passt? “Irish Road Trip” macht mit 60 IBU und 6,5% Alkohol aber auch klar, dass es ein rich­tiges Bier ist.

Der Hammer kam zum Schluss: “Gurken-Gose”, ein Colla­bo­ra­tion Bier mit der Brau­ma­nu­faktur Hertl aus Schlüs­sel­feld.

Gurken-Gose … “Alko­hol­hal­tiger Salat” …

Die Gose ist ein wieder­ent­deckter, alter deut­scher Sauer­bier-Stil. Er wird tradi­tio­nell mit Salz, Kori­ander und Milch­säure gebraut.

Weil die gesetz­li­chen Vorschriften dies in Deutsch­land nicht erlauben, mussten Hopf­meister und Hertl in die Tsche­chi­sche Repu­blik “flüchten”, um dieses Bier brauen und auch unter den Namen Bier anbieten zu dürfen. Der Gedanke dabei war: „Was passt dazu besser als Salat?“ – und schon war die Idee geboren, Gurke hizu­zu­fügen.

Nun, wer mich kennt, weiß, dass ich Salat­gurken nur in Form von Gurken­salat in einem Dres­sing vorzugs­weise mit Yoghurt oder Sauer­rahm mag. Roh – geht eigent­lich nicht.

Aber was hier ankam, war ein “WOW-Erlebnis”. Es schmeckt! Frisch, gurkig, aber trotzdem ein rich­tiges Bier.

Gurken Gose gibt es derzeit nur in einer limi­tierten Abfül­lung. Sie ist einfach erfri­schend, mit ihrem frischen Geschmack und 4% Alkohol leicht zu trinken, also ideal für einen richtig heißen Tag. Das war auch die Meinung meines netten Tisch­nach­barn, der als Franke nach eigener Aussage eigent­lich mehr die tradi­tio­nellen und doch beson­deren Biere seiner Heimat liebt, hier aber doch auch sehr positiv über­rascht war. Wir freuen uns auf einen neuen Sud im nächsten Frühjahr/Sommer, außer wir können’s dann doch nicht erwarten.