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Brau­kunst Live! 2018 – Tradition

Frank-Michael Böer begrüßte uns am Freitag um 14.00 Uhr zum Pres­se­rund­gang, bei dem verschie­dene Vertreter der Aussteller an ihren Ständen vorge­stellt wurden und auch selbst zu Wort kamen, und nicht zuletzt durften wir bei jeden eine Kost­probe genießen und erhielten Infor­ma­tionen dazu.

Schwer­punkt­thema dieses Jahr waren die tradi­tio­nellen Bier­stile wie Helles, Weiß­bier und Pils und deren teil­weise neue Inter­pre­ta­tionen durch die krea­tiven Brauer, nicht nur aus der Craft­bier­szene.

Ich gebe ja immer wieder meinen Senf zum Thema ab – es ist toll, was sich da an Krea­ti­vität tummelt, aber auf Dauer braucht ein Brauer ein „Brot- und Butter-Bier“ (Böer). Er – oder sie – muss ja auch leben können vom Brauen. Mit immer noch einem IPA oder noch exoti­scheren Sorten macht man zwar von sich reden, die Sachen schme­cken ja auch den Genie­ßern („Schmeckt nicht“ gibt’s nicht!), aber die „breite Masse“ holt man damit nicht ab. Ich kenne viele Alters­ge­nossen (ich bin „gut in den 50+“), die keinerlei Bedarf für Craft­bier sehen, das Angebot der Produkte der großen Braue­reien ist doch gut und da ist für jeden etwas dabei. Gut, wer damit glück­lich ist, der soll’s auch sein. Aber es gibt viele junge und auch nicht mehr ganz so junge Bier­freunde (wie mich), die neben einem Bier aus der Groß­brauerei auch einmal gerne etwas ganz anderes probieren. (Wer meine Geschichte kennt, weiß, warum ich meine Nase da ganz tief rein­stecke. Selbst braue ich regel­mäßig „mein IPA“, die „Sommer­fri­sche“, daneben mache ich gerne auch Expe­ri­mente. Dazu kommen später auch noch ein paar Worte.)

Also haben die jungen und krea­tiven Brauer ange­fangen, inter­na­tio­nale Bier­stile zu brauen und in Deutsch­land an den Mann und natür­lich die Frau zu bringen. In den vergan­genen Jahren, beson­ders den letzten fünf, haben sich da richtig viele kleine und kleinste Braue­reien mit ganz vielen IPAs und auch vielen anderen „beson­deren“ Bieren im Reper­toire gegründet. Diese Braue­reien über­ra­schen so gut wie jede Woche mit neuen Ideen und Krea­tionen. Ob diese Biere am Markt bestehen oder nicht, hängt natür­lich in der Haupt­sache davon ab, ob das neue Bier Lieb­haber findet oder nicht. Die Veran­stal­tungen rund um Craft­bier und krea­tives Brauen, allen voran die Brau­kunst Live!, zeigen, dass ein Markt vorhanden ist. Und ich treffe immer mehr Leute jenseits der 40 und 50 da an.

Trotzdem: allein davon kann eine Brauerei nicht leben. Ein Brauer muss brauen und soll nicht jedes Wochen­ende irgendwo anders auf einem Markt oder in einem Geschäft stehen und seine exoti­schen Biere anpreisen müssen. Nach der Werbe­ak­tion kommt das Bier ins Regal und wird da dann gerne bald vergessen. Mit einem Hellen, einem Weiß­bier, was man in Bayern (oder weiter nörd­lich eben Pils) eben als Bier­stil seit Jahr­hun­derten kennt, holt man auch die „tradi­tio­nellen“ Bier­kon­su­menten eher ab, bringt sie dazu, auch mal etwas neues auszu­pro­bieren. Und ist das Produkt stimmig und authen­tisch, darf, nein soll es den kleinen Tick haben, der dann für eine geschmack­liche Über­ra­schung sorgt. Über­treibt man es nicht, hat man den neuen Kunden fast sicher.

Daneben kommen dann die IPAs und die „Exoten“ ins Spiel, die ja teil­weise pola­ri­sieren. Das dürfen und das sollen sie sogar. Denn da finden dann alle Lieb­haber ihre ganz beson­deren Lieb­linge heraus, und können sich bei den einschlä­gigen Veran­stal­tungen über die neuen Biere freuen. Auf Dauer funk­tio­niert das aber eben nur, wenn die Brauer davon auch leben können, mit Beto­nung auf „Leben“.

Author: Winfried Hermann

Mein Name ist Winfried Hermann, ich habe mich seit vielen Jahren dem Genuss verschrieben. Ich meine damit nicht unbedingt Trüffel oder Champagner, auch ein einfaches Butter- oder Schmalzbrot ist ein Genuss, wobei es natürlich sehr auf das Brot und das “Obendrauf” ankommt … Generell bin ich ein Freund regionaler und “fair bezahlter” Erzeugnisse. Konsequenterweise schätze ich auch ein feines Bier sehr. Das ist in meinen Augen einzig und allein vom persönlichen Geschmack abhängig und sonst weder von der Marke, der Brauart oder was auch sonst ein Bier und seinen Ruf ausmacht. Daher werden Sie hier einzig Kommentare und Informationen finden, die meinem persönlichen Geschmack entsprechen. Dafür ist alles, was hier steht, authentisch, ehrlich und so gemeint.